Wohlfühlen am Arbeitsplatz

4. September 2017

Autor: Rolf Mauer

Viele Menschen verbringen den Großteil des Tages am Arbeitsplatz. Jeder Zweite sitzt bis zu 80 Prozent seiner Arbeitszeit an einem Schreibtisch. Arbeitsmediziner warnen seit langem vor den krank machenden Faktoren im Büro und deren gesellschaftlicher Relevanz. Laut der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz beeinträchtigt unter anderem Stress aus mangelhaften Arbeitsbedingungen die Gesundheit der Arbeitnehmer maßgeblich und wirkt sich negativ auf Unternehmen und Volkswirtschaften aus. Arbeitnehmer arbeiten unproduktiv, wenn der eigene Arbeitsplatz permanenten Belastungen aus der unmittelbaren Umgebung wie Lärm, Überhitzung, schlechte Luft ausgesetzt ist. Eine Arbeitsumgebung, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen, steigert deren Konzentration und Leistungsfähigkeit. Gute raumklimatische und akustische Bedingungen tragen gemeinsam mit einer ausgeglichenen Tageslichtversorgung maßgeblich dazu bei, dass Mitarbeiter kreativ und produktiv bleiben.

Die Bedeutung der Fassade für den Innenraum

Dass der Fassade eines Bürogebäudes eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen zufällt wird von vielen Unternehmen und Investoren unterschätzt. Moderne Verwaltungsgebäude werden mit einem zunehmend größeren Anteil an Glasflächen realisiert. Dadurch wird der Tageslichteinfall maximiert und die Kosten für künstliche Beleuchtung sinken, jedoch kann ein großer Glasanteil auch für hohe solare Wärmeeinträge im Sommer sorgen. Daher muss bei der Gebäudeplanung die thermische Behaglichkeit nach DIN EN ISO 7730 beachtet werden und neben der energieeffizienten Beheizung im Winter der sommerliche Wärmeschutz am Arbeitsplatz im Fokus stehen. Tageslicht muss intensiv genutzt werden, eine Blendung jedoch, insbesondere an Bildschirmarbeitsplätzen, vermieden werden.

Lärm erzeugt Stress, Ruhe sorgt für Motivation

Wo Menschen gemeinsam arbeiten kann die gegenseitige Lärmbelästigung ein ungestörtes und konzentriertes Arbeiten beeinträchtigen. In Abhängigkeit von der Tätigkeit des Arbeitnehmers soll der Beurteilungspegel für die Raumakustik höchstens 55 dB(A) beziehungsweise 70 dB(A) betragen. Menschen können sich aber ohne Anstrengung durchaus mit einem Schalldruckpegel von 63 dB(A) unterhalten. Lärm lässt nachweislich die Stresshormone im Körper ansteigen. Aber «Lärm» ist ein sehr subjektiver Begriff. Was den einen nicht stört, kann den Kollegen aus seiner Arbeitsroutine bringen. Eine akustisch gut gestaltete Büroumgebung unter Berücksichtigung des Schweizer «Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (ArG) » und der Richtlinie «VDI 2569:1990-02 Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro» tragen maßgeblich dazu bei, dass die Beschäftigten ungestört und konzentriert arbeiten und kommunizieren können. Sie ist ein wichtiger Faktor für Motivation und Erfolg in der Büroarbeitswelt.

Gesundheitsvorsorge per «Luftwechsel»

Zur Minimierung der Energiekosten werden unsere Bürogebäude zunehmend abgeschottet und bieten in den Innenräumen technisch erzeugte konstante klimatische Bedingungen. Dem steht jedoch der Nachteil gegenüber, dass Arbeitnehmer einer Vielzahl chemischer, physikalischer, biologischer und mikrobiologischer Faktoren ausgesetzt sind. Die Luft in Innenräumen enthält vermehrt Feuchtigkeit, Mikroorganismen und Chemikalien. Daraus entstehen potenzielle Gefahren für die Gesundheit des Menschen. Sie können beispielsweise zu Befindlichkeitsstörungen, Irritationen der Schleimhäute von Augen und Atemwegen sowie Reizungen der Haut und Allergien führen. Die meisten Innenraumbelastungen hängen direkt oder indirekt mit einem wichtigen Faktor zusammen: dem Luftwechsel.

Interview

Wir sprachen mit Bruno Wöcke über die Qualität von Raumluft. Er ist beim Schweizer Spezialisten für Fenster und Türen, der EgoKiefer AG für Forschung & Entwicklung zuständig.

Herr Wöcke, wieviel Luft braucht der Mensch?

Bruno Wöcke: Der CO2-Pegel dient als Massstab für die Raumluftqualität. Als oberer Wert werden 800 bis 1000 ppm angestrebt. Dies erfordert pro Person tagsüber rund 30 Kubikmeter Frischluft pro Stunde. Weil die Wahrnehmung des Menschen und das Komfortbedürfnis sehr subjektiv sind, kann dieser Wert individuell variieren.

Welche innenräumlichen Belastungen können die Atemluft beeinträchtigen?

Bruno Wöcke: Die Hauptbelastung ist die CO² Konzentration, die durch unser Atmen ansteigt und zu einer Leistungsminderung, zu Müdigkeit, Unwohlsein und Kopfschmerzen führen kann. Die Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Menschen sind unmittelbar und direkt. Auch räumliche Belastungen wie die sogenannten VOCs – die flüchtigen organischen Verbindungen in der Luft – minimieren die Luftqualität. Letztlich kann sich auch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit negativ auswirken und beispielsweise zu Schimmelbildung in Räumen führen.

Kann die Luftqualität leiden, wenn Wohn- und Büroräume umgebaut oder saniert werden?

Bruno Wöcke: Bauprodukte wie Böden, Wandfarben usw. können nach Fertigstellung über Monate hinweg zu Belastungen führen. Man sollte bereits bei der Planung geeignete Materialien auswählen, die möglichst frei von negativen Eigenschaften sind. Bei neuen Fenstern ist zu beachten, dass die Gebäudehülle dichter wird und so der vorherige «natürliche» Luftaustausch nicht mehr stattfindet. EgoKiefer bietet mit dem EgoFresh Lüftungssystem, das in Kombination mit einem Fenstertausch installiert wird, eine praktische Lösung an.

Würden Sie empfehlen, dass in Neubauten die Luftwechselrate zu Beginn der Nutzung erhöht wird?

Bruno Wöcke: Es macht durchaus Sinn die Luftwechselrate nach einer Sanierung oder im Neubau die erste Zeit zu erhöhen. In der Schweiz ist dies auch normativ vorgegeben. Das SIA Merkblatt 2023 formuliert unter Punkt «5.4.2 Grundlüftung», dass während der ersten drei Monate nach Bauvollendung eine Luftwechselrate von mindestens 0,3h-1 einzuhalten ist. Damit wird die Raumluft alle 3 Stunden komplett erneuert.

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